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(Foto: braune Kuh)

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"Kuhhandel beim Webdesign - ein Fallbeispiel"

Kuhhandel beim Webdesign - ein Fallbeispiel

Wir benötigen eine Webpräsenz. Können Sie uns weiterhelfen?

Soweit dürfte diese vom Kunden aktiv gestellte Anfrage an den professionellen Webentwickler standard sein, wenn man es geschafft hat und den ersten Schritt aus der Anonymität der Millionen Klein- und Großunternehmen im Bereich Webdesign gegangen ist.

Der Anfang - vom Preisangebot zum Viehandel

Euphorisch macht sich der dynamische Webentwickler nach der erfolgten Anfrage daran, den Bedarf des Kunden zu analysieren, sein Unternehmensprofil genauer zu beleuchten und Details der Kundenwünsche damit zu vereinbaren. Mehrere Gespräche mit dem Kunden folgen und verlieren sich in einer Endlosschleife aufgrund seines Unverständnisses oder einem nur begrenzten Allgemeinwissen hinsichtlich der Geheimnisse des ach so großen World Wide Web.

Nachdem dann doch der Arbeitsumfang endgültig geklärt ist, erstellt der Webentwickler sein Angebot und verschickt es an den Kunden. Und genau hier beginnt eine Reise auf den nächsten Viehmarkt mit allen Raffinessen, welcher vom Webentwickler bei der Argumentation für seine Leistung eine ordentliche Portion Bauernschläue abverlangt.

nach obenDer Bauer kauft die Kuh nicht gleich

Der Kunde meldet sich telefonisch beim Webentwickler und erklärt, dass er ja gerne die Webseite von diesem erstellen lassen möchte. Allerdings wäre da noch der Preis. "Viel zu teuer!" raunt es aus dem Telefonhörer. Er hätte da jemanden - einen Studenten namens Bauer, einen Bruder vom Freund eines Freundes. Der würde das ganze für nicht mal die Hälfte erledigen.

Ein Student also, Herr von und zu Bauer. Ein Mediendesigner im 2. Semester, der gerade die Grundlagen aus der Hilfsdatei bei Frontpage auswendig gelernt hat und mit Tabellen und Framesets wahre Wunder vollbringen kann. Wenn ich ein vernünftiges Auto kaufen will, dann würde ich auch ein Fahrzeug aus der Bastlersparte bevorzugen, welches zwar nicht den TÜV bekommt, aber immerhin bei den Miezen drei Blocks weiter mit einfach überlackierten Rostmantel Eindruck schindet.

Dem bringt der Webentwickler nun entgegen, dass Qualität ihren Preis hat. Hier zeigt sich aber wieder das Anfangsproblem hinsichtlich des mangelnden Wissens beim Kunden um die Notwendigkeit eines sauberen und dem W3C- bzw. WAI-Standards entsprechenden Codes bei der Erstellung der Webseite. Betrachtet man den Inhalt und Aufbau einer Webseite, so wird dessen qualitätsbezogene Relevanz deutlich, wenn man die verschiedene Nutzergruppen und Hilfsmittel im Web betrachtet, die auf die Ausführung eines sauberen Codes angewiesen sind und eine stimmige Präsentation bewußt oder auch unterbewußt voraussetzen.

nach obenDie Argumente für das eigene Vieh

Nun liegt es am Webentwickler den Preisvorteil des Studenten Bauer, der seine Arbeit des öfteren auf dem "Schwarzmarkt" anbietet und ohne lizensierte Bildbearbeitungssoftware verrichtet, auszuhebeln.

Hier stehen dem professionelen Webentwickler etliche Argumente Pate, um auf dem Viehmarkt zu bestehen.

Zum Beispiel hat aktuell niemand mehr Zeit im Überfluss. Ladezeiten für Webseiten sollten also so kurz wie möglich gehalten werden. Oder könnten Sie sich als Milcherzeuger darauf einlassen, auf die Milch der gekauften Kuh drei Monate zu warten? Was nützt eine Kuh, die nicht gemolken werden kann? Die Grundlage für kürzere Ladezeiten - ein sauberer Code. Framesets, Tabellenlayouts und Flashseitenelemente wie erfolgreich von Student Bauer angewandt, gehören nicht dazu.

Außerdem sollte mit den aktuellen Suchmaschinen wie GOOGLE eine effektive Auswertung der Webseite ohne Probleme möglich sein. Auf der Suche nach der richtigen Kuh? Mehr als Seite zwei schlägt in der Regel bei GOOGLE niemand auf. Die Grundlage dafür, um unter die "magische Zwei" zu kommen, wieder ein sauberer Code.

Ein Zaun ist eine gute Sache, wenn man eine Herde Kühe halten will und diese nicht gleich auf der nächsten Autobahn abholen möchte. Eine dicke Mauer ist dabei wohl der beste Weg, wenn man die Kühe wohlwollend eingesperrt wissen möchte. Allerdings ist eine Webseite nicht immer zu hundert Prozent mit einer Kuh gleichzusetzen. Eine Webseite will gesehen und von jederman benutzt werden. Der Stallpraktikant Bauer hat bis dato seltenst etwas von barrierefreier Gestaltung gehört und wird ihnen ohne eigene Bedenken eine Mauer nach der anderen vorsetzen. Eine Webseite braucht Luft zum atmen, sie will jeden erreichen. Und da auch ein blinder Mensch Milchdurst haben kann oder auch andere einen Anspruch auf barrierefreies Surfen im Internet haben, sollte hier auf mehr Erfahrung gesetzt werden. Denn was nützt eine schöne Wiese auf den ersten Blick, wenn der Code keine Einblicke auf diese gewährt. Stellen Sie keine Hindernisse auf. Achten Sie auf eine weitestgehende barrierefreie Umsetzung Ihrer Ideen im World Wide Web.

Die Gestaltung der Webseite ist nicht nur eine Frage des persönlichen, sondern des allgemein gültigen Geschmacks. Auch wenn Sie auf Schokomilch stehen, so muss dies nicht unbedingt aller Geschmack sein. Um sich hier eine entsprechende Allgemeingültigkeit zu nutze zu machen, bedarf es ausgiebiger Analysen und einer Erfahrung, die keinem Stallpraktikanten ohne Weiteres attestiert werden kann.

nach obenDer Abschluss

Ziel sollte es natürlich sein, dass der Kunde versteht, worum es auf dem Viehmarkt eigentlich geht. Hat er dies nach hinreichender Erläuterung, so sollte einem Vertragsabschluss mit dem Webentwickler eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

Kauft er sein Vieh am Ende dennoch bei dem besagten Studenten Bauer, so wird er über kurz oder lang, die Nachteile seiner Geldersparnis zu spüren bekommen.

Jeder Domaininhaber muss sich darüber bewusst sein, dass er für den Inhalt seiner Seite zu hundert Prozent verantwortlich ist. Mit illegaler Software erstellte Layouts und nicht hinreichend auf die Lizenzrechte überprüfte Grafiken und Bilder können am Ende mehr Geld verschlingen, als tatsächlich gespart wurde.

Framesets, Tabellenmissbrauch, eine generell mangelhafte Trennung von Inhalt und Layout, fehlende W3C- und WAI-Konformität lassen die Chancen des Kunden auf fordere Suchmaschinenplatzierungen erheblich schrumpfen und schließen unter Umständen viele potentielle Kunden aus. Ausser Sie heißen vielleicht BMW oder Bosch.

Eine langfrisige Betreuung der Webpräsenz und eine Aktualisierung des Codes - vertraglich auf dem Schwarzmarkt nicht zu realisieren. Fällt Student Bauer aufgrund eines Auslandssemesters, universitärer Verpflichtungen oder gar wegen eines Studentenpartydauerrausches aus, so bleibt dem Kunden nichts anderes übrig als die von diesem verursachte Framesetsuppe für viel Geld andersweitig auslöffeln zu lassen.

Und, und, und ...

Generell soll dies nicht bedeuten, dass professionelle Webentwicklung nichts für Studenten sei. Im Gegenteil - gerade Studenten, die noch im Stoff stehen, sich ständig weiterbilden und einen frischen Wind in manch staubige Denkweise einbringen, sind die Webentwickler von morgen. Aber auch diese kosten heute schon Geld. Denn Qualität hat Ihren Preis.

Nur unser schwarzes Schaf Bauer, wird auf Dauer mit seiner Arbeit keinen Bestand auf dem Markt haben.

geschrieben von Michael Senst